DER ORDEN UNSERER LIEBEN FRAU VOM BERGE KARMEL
& seine Spiritualität
„Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten.“
Der Ursprung des Karmelordens
Der Karmelorden entstand Ende des 12./Anfang des 13. Jahrhunderts auf dem Berg Karmel in Israel. Kreuzfahrer ließen sich dort nieder, um in Einsamkeit und Stille Gott zu suchen. Allmählich schlossen sich die Einsiedler zu einer Gemeinschaft zusammen und baten den Patriarchen von Jerusalem, ihnen eine Lebensregel zu verfassen, um im Gehorsam der Kirche zu dienen. So entstand die Ursprüngliche Regel der Karmeliten. Diese hat in einer gemilderten Form noch heute im ganzen Orden Gültigkeit.
Die Eremiten verehrten die Gottesmutter Maria als ihre Mutter und Patronin und errichteten eine Kapelle Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel. Sie lebten in inniger Verbundenheit mit ihr, die sie als mütterliches Vorbild und Schwester liebten.
An der Hand Mariens, der Mutter der Innerlichkeit, lernten die Karmeliten „Tag und Nacht im Gesetz des Herrn zu betrachten und im Gebet zu wachen“ (Ursprüngliche Regel), um mutig den Sieg Jesu Christi über das Böse in ihrem Inneren zu erringen. So trachteten sie in konsequenter Nachfolge Jesu danach, immer in der Gegenwart Gottes zu leben und ihn zu bezeugen.
„In Stille und Vertrauen ruht eure Kraft.“
JAHWE IST GOTT (1 Kön 18,39)
Die Karmeliten betrachten den heiligen Propheten Elija (800 v. Chr.) als Vorbild und Vater. Er hat mit feurigem Eifer und Autorität aus dem Glauben öffentlich bezeugt:
„Es lebt der HERR, der Gott Israels, in dessen Dienst ich stehe“
Mit Kraft und Feuer hat er dem ganzen Volk auf dem Berg Karmel bewiesen, dass Jahwe der einzige Gott ist (1 Kön 18,30-39). Das ist es auch, was die Karmeliten noch heute als Wirklichkeit für unsere Zeit erfahren und verkünden wollen. So reichen die spirituellen Wurzeln des Karmelordens tief hinein in das Alte Testament.
In 1 Kön 18, 41-45 wird die Macht des inständigen Gebetes des Propheten Elija geschildert: Nach einer langen Dürre kommt endlich lebenspendender Regen. Die Tradition sieht in der regenspendenden Wolke, die der Prophet Elija auf dem Berg Karmel für Israel erbittet, die Jungfrau Maria – wie im Bild dargestellt.
Wie nämlich der Regen der Hungersnot ein Ende setzt, ist es Maria, die Mutter der göttlichen Gnade, die der Welt mit Jesus Christus das wahre Leben bringt. Die Karmeliten wollen durch ihr Leben des Gebetes das Heil der Seelen und das Kommen des Reiches Gottes in den Herzen aller Menschen erflehen.
Das Karmelskapulier
Als die Sarazenen das Heilige Land eroberten, mussten die Karmeliten vom Berg Karmel fliehen. Sie ließen sich in Europa nieder und wurden verpflichtet, in der Seelsorge tätig zu sein.
Mitte des 13. Jahrhunderts befand sich der Orden in einer tiefen Krise. Der große Marienverehrer, der heilige Simon Stock, wurde mit 80 Jahren zum General des Ordens gewählt. Er flehte inständig die Gottesmutter Maria um ihren Beistand an. Diese kam ihm zur Hilfe und überreichte ihm ein Stück ihres Gewandes als Schutz vor dem Bösen. Seither tragen die Karmeliten das Skapulier als Zeichen ihrer Zugehörigkeit zu Maria.
Der Orden erholte sich und die Skapulierfrömmigkeit verbreitete sich auch unter den Laien bis heute.
Durch die Auflegung des Skapuliers wird man teilhaftig aller geistlichen Güter, derer sich die Ordensleute vom Berg Karmel durch die Barmherzigkeit Jesu Christi erfreuen.
Segensgebet bei der Auflegung des SkapuliersSinn und Wert des Skapuliers:
- • Es ist eine äußere Bekundung der Liebe zu Maria und des kindlichen Vertrauens zu ihr.
- • Es gliedert in die Karmelfamilie ein und lädt dazu ein, die Spiritualität des Karmel zu leben: die intime Freundschaft mit Gott im Alltag und im betrachtenden Gebet. (Weiter zum Inneren Gebet)
- • Es stellt uns das Beispiel der Karmelheiligen vor Augen.
- • Es ist ein Zeichen des Glaubens an das ewige Leben, dass wir durch den Schutz Mariens und auf ihre Fürsprache zu erlangen hoffen.
Das Skapulier zu tragen, bedeutet das Leben der Muttergottes in der Nachfolge Jesu nachzuahmen. Dadurch kann Maria uns - ihrer Verheißung gemäß - vor der Hölle bewahren und uns am ersten Samstag nach dem Tod in den Himmel aufnehmen (Bulle Sabbatina).
Mitte des 15. Jahrhunderts bat eine Gruppe frommer Frauen (Beginen) um Aufnahme in den Karmelorden. So entstand der weibliche Zweig des Ordens, in den Teresa von Avila eintrat.
TERESA VON AVILA † 1582 – Kirchenlehrerin
Teresa de Ahumada, die spätere heilige Teresa von Avila, sehnte sich schon als Kind nach Gott, denn alles in ihr suchte nach dem wahren, ewigen Glück. Im Alter von zwanzig Jahren trat sie in das Kloster der Karmelitinnen der Menschwerdung in Avila ein. Ihr Leben als Ordensschwester war sehr bewegt. Trotz aller Anfechtungen von innen und von außen bemühte sie sich um Treue in ihrem Gebet.
Eines Tages aber verwandelte sich alles, als sie auf den gegeißelten Jesus blickte. Plötzlich verstand sie, dass Jesus all dieses Leid für sie auf sich genommen hat. Und sie erkannte, dass ER ihr so lang ersehntes Glück war. Sie verliebte sich leidenschaftlich in IHN. Alles in ihr strebte nach Vereinigung mit IHM, dem menschgewordenen Sohn Gottes.
„Das, was ich empfand, war so gewaltig, dass es mir war, als würde es mir das Herz zerreißen.“
Um die sehnsüchtige Liebe ihres Herrn und Bräutigams mit all ihren Kräften erwidern zu können, gründete sie San José, das erste Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen, in dem die Schwestern zurückgezogen von der Welt für Gott allein leben. In der Verborgenheit für Gott allein zu leben, bedeutet, sein Leben für jeden Menschen hinzugeben, „denn in IHM leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Apg 17,28).
„Gott allein genügt!“
Die heilige Teresa verstand immer mehr, wie sehr sich Jesus in seiner bedingungslosen Liebe nach jeder einzelnen Seele sehnt, und sie erkannte, dass der Weg der Innerlichkeit, den Jesus sie führte, eine Antwort auf seinen Durst nach jedem von uns ist. Weiter zum Inneren Gebet
Im Gehorsam weitete Teresa ihr Reformwerk aus und gründete 15 weitere Klöster. Um die geistige Begleitung ihrer Schwestern zu sichern, reformierte sie zusammen mit Johannes vom Kreuz auch den männlichen Zweig des Ordens.
DER HEILIGE JOSEF – Patron des Karmelordens
Die heilige Teresa vertraute alle ihre Gründungen dem heiligen Josef an, den sie besonders verehrte, weil sie auf dessen Fürsprache von einer schweren Krankheit geheilt wurde. Bis heute ist der heilige Josef den Karmeliten und Karmelitinnen sowie ihren Klöstern ein treuer Vater, ein zuverlässiger Verwalter und Beschützer. Er ist ein sicherer Führer auf dem Weg der Innerlichkeit.
„Anderen Heiligen scheint der Herr die Gnade verliehen zu haben, in einer bestimmten Notlage zu helfen, mit diesem großen Heiligen aber habe ich die Erfahrung gemacht, dass er in ALLEN Nöten hilft.“
„Ich sah deutlich, dass mein Vater und Herr, der hl. Josef, mich auf bessere Weise rettete, als ich von ihm zu erbitten vermocht hätte.“
DER HEILIGE JOHANNES VOM KREUZ † 1591
Mitbegründer des unbeschuhten Karmels.
„O lebendige Liebesflamme, die mich zärtlich verwundet in meiner tiefsten Seelenmitte! Jetzt bist du nicht mehr verletzend, vollende nun, wenn es dir gefällt, zerreiße den Schleier zur süßen Begegnung!“
„Willst du dahin gelangen, alles zu sein, verlange in nichts etwas zu sein.“
„Ihre Seele hänge sich an nichts, denn da ja das Beten nicht fehlt, wird Gott schon für sein Eigentum sorgen, denn Sie gehören ja keinem anderen Herrn und sollen auch keinem anderen gehören.“
KARMELHEILIGE & was sie uns lehren
Im Laufe der Jahre wurde die Spiritualität des Karmel durch seine verschiedenen Heiligen immer mehr vertieft und bereichert. So hilft uns jeder Heilige des Ordens, das Charisma des Karmels besser zu verstehen und zu leben.
Diener Gottes Bruder Lorenz von der Auferstehung † 1691
LEBEN IN GOTTES GEGENWART
„Die heiligste und wichtigste Übung im geistlichen Leben ist der Gedanke an die Gegenwart Gottes. Sie besteht darin, dass man sich angewöhnt, gern in Gesellschaft mit ihm zu sein, dabei in Schlichtheit und Ehrlichkeit zu ihm zu sprechen und liebevoll bei ihm zu verweilen.“
Heilige Teresa Margarita Redi vom heiligsten Herzen Jesu † 1770
GOTT IST DIE LIEBE
„Das heiligste Herz ist das Zentrum der offenbar gewordenen Liebe, mit der das göttliche WORT, aus den Tiefen der Gottheit kommend, uns von Ewigkeit her geliebt hat. An dieser Liebe dürfen wir teilhaben und mit dieser Liebe können wir Ihn wieder lieben auf Erden und im Himmel.“
Die heiligen Märtyrerinnen von Compiègne † 1794
HINGABE
„Welch ein Glück für seinen Gott zu sterben!“
Vom Revolutionstribunal wegen ihrer Treue zu ihrer Karmelberufung und ihrer Liebe zum heiligsten Herzen Jesu zum Tode verurteilt, starben die Karmelitinnen von Compiègne in den Wirren der französischen Revolution auf dem Schaffot. Das Salve Regina und das Te Deum singend, wurden die Karmelitinnen eine nach der anderen hingerichtet. Sie starben in der Freude, ganz Christus zu gehören, und gaben ihr Leben hin für die Rettung der Seelen und das Ende der französischen Revolution.
Heilige Maria von Jesus, dem Gekreuzigten (Miriam von Abellin) † 1878
EINFACHHEIT
„Ich bitte dich um kein anderes Wissen, um keine andere Weisheit, als Jesus zu finden und zu bewahren.“
Heilige Therese vom Kinde Jesus und vom heiligsten Antlitz † 1897
VERTRAUEN
„Ich verlange danach, deinen Willen vollkommen zu erfüllen und zur Stufe der Herrlichkeit zu gelangen, die Du mir in Deinem Reiche bereitet hast, mit einem Wort, ich verlange danach, heilig zu werden, aber ich fühle meine Ohnmacht und ich bitte Dich, o mein Gott! Sei du selbst meine Heiligkeit.“
Heilige Elisabeth von der Dreifaltigkeit † 1906
DIE DREIFALTIGKEIT IN MEINER SEELE
„Da ER immer bei mir ist, darf das Gebet, das Leben Herz an Herz nie enden! Ich fühle Ihn so lebendig in meiner Seele, ich muss mich nur sammeln, um IHN in meinem Innern zu finden, und das ist es, was mein ganzes Glück ausmacht.“
„Die ganze Dreifaltigkeit ruht in uns, dieses ganze Geheimnis, das wir im Himmel schauen werden.“
Heilige Teresia Benedicta a Cruce (Edith Stein) † 1942
KREUZESLIEBE
„Die Welt steht in Flammen. Drängt es auch dich, sie zu löschen? Schau auf zum Kreuz! Aus dem offenen Herzen quillt das Blut des Erlösers. Das löscht die Flammen der Hölle.“
„An allen Fronten, an allen Stätten des Jammers kannst du sein in der Kraft des Kreuzes, überallhin trägt dich seine erbarmende Liebe, die Liebe aus seinem göttlichen Herzen, überallhin sprengt sie sein kostbares Blut – lindernd, heilend, erlösend.“
Dienerin Gottes Schwester Cecilia Maria vom heiligen Antlitz † 2016
EINHEIT
„Ich gebe mein Leben für die Einheit der Christen, die Einheit des Karmels und dafür, dass die ganze Kirche eine Wiege der Wahrheit, Zärtlichkeit and Barmherzigkeit für alle Bedürftigen sein möge.“
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Gebetsschule – Online
Die Karmelitanische Online-Gebetsschule will von den Persönlichkeiten des Karmel von den Anfängen über den Meistern des kontemplativen Betens: Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz, bis zu Therese von Lisieux und Edith Stein lernen, diesen Weg der Innerlichkeit zu gehen.
Weitere Infos über die Website:
karmelitenkloster-stjoseph.de/online-gebetsschuleWie geht's weiter?
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