Künstlerische Darstellung einer leuchtenden Kristallburg als Symbol für die Seele nach der Lehre der hl. Teresa von Avila

DER WEG DES INNEREN BETENS
nach Teresa von Avila

„Beten ist Leben“

Die Seelenburg

Teresa berichtet: Als ich heute unseren Herrn anflehte, er möge durch mich reden, bot sich mir an, was ich jetzt sagen will, sozusagen als eine Art Ausgangspunkt, nämlich unsere Seele als eine gänzlich aus einem einzigen Diamanten oder sehr klaren Kristall bestehende Burg zu betrachten, in der es viele Gemächer gibt, so wie es im Himmel viele Wohnungen gibt (Joh 14,2).

Skizze der Seelenburg nach Teresa von Avila mit Beschriftungen der Wohnungen: Wachtturm (Glaube), Eingang (Gebet), Wallgraben (Anfechtungen), Umwallung (Entschiedenheit)

In der Mitte ist die Wohnung Gottes

  • Der Wachtturm: Der Glaube
  • Der Eingang: Das innere Gebet
  • Der Wallgraben: Die Anfechtungen und das Ungeziefer
  • Die Umwallung: Die Entschiedenheit

„In der innersten Mitte von all diesen Wohnungen liegt die vornehmste, in der die höchst geheimnisvollen Dinge zwischen Gott und der Seele vor sich gehen.“

— Wohnungen der inneren Burg – 1. Wohnung 1,1
Was sagen die Heiligen dazu?

„Ich finde nichts, womit ich die gewaltige Schönheit einer Seele und ihre riesige Fassungskraft vergleichen könnte, ... so dass wir kaum imstande sind, die große Würde und Schönheit der Seele zu begreifen.“

— Wohnungen der inneren Burg - 1. Wohnung 1,1

„Ist es nicht jammerschade und beschämend, dass wir uns selbst durch eigene Schuld nicht verstehen noch wissen, wer wir sind?“

— Wohnungen der inneren Burg - 1. Wohnung 1,2

„Bedenken wir nun, dass diese Burg viele Wohnungen hat, die einen oben, die anderen unten, andere an den Seiten. Und in der innersten Mitte von all diesen Wohnungen liegt die vornehmste, in der die höchst geheimnisvollen Dinge zwischen Gott und der Seele vor sich gehen.“

— Wohnungen der inneren Burg - 1. Wohnung 1,1

„Genauso wenig wie es uns schadet, darüber nachzusinnen, was es im Himmel alles gibt und was die Seligen genießen, ... wird es uns schaden, zu sehen, dass es schon hier in der Verbannung möglich ist, dass ein so großer Gott sich ein paar so [armseligen] Würmern mitteilt und eine so gutherzige Güte und maßlose Barmherzigkeit uns liebt.“

— vgl. Wohnungen der inneren Burg - 1. Wohnung 1,3

„Nun müssen wir sehen, wie wir in unsere schöne, beglückende Burg eintreten können.“

— vgl. Wohnungen der inneren Burg - 1. Wohnung 1,5

„Soviel ich verstehen kann, ist das Eingangstor zu dieser Burg das innere Beten und die Betrachtung.“

— Wohnungen der inneren Burg - 1. Wohnung 1,7

„Es gibt Menschen, die so sehr mit Äußerlichkeiten beschäftigt sind, dass es so aussieht, als seien sie unfähig, in ihr Inneres einzutreten, weil sie die Gewohnheit schon so fest im Griff hat, sich immer nur mit dem Ungeziefer und dem Viehzeug auf der Ringmauer abzugeben.“

— vgl. Wohnungen der inneren Burg – 1. Wohnung 1,6

„Wer ... noch nicht mit dem inneren Beten begonnen hat, den bitte ich, um der Liebe des Herrn willen, sich ein so großes Gut doch nicht entgehen zu lassen. Hier gibt es nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen.“

— hl. Teresa von Avila - Das Buch meines Lebens 8,5

Dein Weg in die Tiefe

Religiöse Ikone zur Darstellung des inneren Gebets und der spirituellen Einkehr
1

1. Entscheidung

Entscheide dich für die Begegnung mit Gott in deinem Herzen.

Setze Glaubensakte, z. B. Jesus, ich glaube, dass Du mich in meinem Innersten erwartest.

Wie die blutflüssige Frau im Evangelium geheilt wird, indem sie mit starkem Glauben den Saum des Gewandes Jesu berührt, so berühren wir Gott mit jedem Glaubensakt und es geht eine Kraft von ihm aus, die uns heilt - ob wir es spüren oder nicht.

Was sagen die Heiligen dazu?

„Ich will mir nicht nur irgendeine Vorstellung von Gott machen – nein, IHN selbst will ich. Ich will in sein Leben eintauchen und ernst damit machen, dass ich Gottes Kind bin. Dazu bin ich berufen und darum bete ich. Ich will in das innerste Leben des dreifaltigen Gottes eindringen. Allein mit dem Glauben kann ich Gott erreichen. Um in Gott einzudringen, muss ich meinen Glauben, gestützt von der Liebe, in Gang bringen. Mit einem Akt des Glaubens dringe ich mit Sicherheit in Gott ein und verbinde mich mit IHM.“

— sel. Pater Maria-Eugen Grialou OCD

„ER ist immer auf dem Grund deines Herzens zu finden, auch wenn du ihn nicht fühlst. ER erwartet dich und will einen wunderbaren Austausch mit dir beginnen.“

— hl. Elisabeth von der Dreifaltigkeit

„Oft ist der Glaube „nur“ ein Akt des Ja-Sagens zu Gott, ein Akt des Glaubens ... Dieser Akt des Glaubens befähigt mich, den Abstand zwischen mir und Gott zu überwinden und in Gott einzugehen. Gott stützt meinen Glauben durch die Gabe des Heiligen Geistes. Denn es ist uns nicht möglich aus eigener Kraft in Gott zu verweilen.“

— sel. Pater Maria-Eugen Grialou OCD

„Glaubt an euren Glauben!“

— sel. Pater Maria-Eugen Grialou OCD

„Wir müssen den einmal eingeschlagenen Weg entschlossen weitergehen. Wichtig ist nur das Vertrauen auf Gott. Wenn es unbegrenzt ist, werden wir unendlich viel empfangen.“

— sel. Pater Maria-Eugen Grialou OCD
2

2. Stille

Suche einen stillen Ort und nimm dir täglich eine bestimmte Zeit, um im Gebet bei IHM zu verweilen. Schalte dein Telefon aus und sei nur für Jesus erreichbar. Lass IHN an all deine Gedanken teilhaben. ER ist bei dir, weil ER dich liebt.

Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. (1 Kö 19,12)

Was sagen die Heiligen dazu?

„Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließe die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“

— Mt 6,6

„Gott ist Musik, die kein Geräusch verbreitet, gleich einer Einsamkeit, die lieblich tönt.“

— hl. Johannes vom Kreuz - Geistlicher Gesang, Strophe 15

„Gott spricht in der Stille, und nur die Stille vermag Gott irgendwie auszudrücken. Wohin sollte der Mensch auch gehen, um Gott wieder zu finden, wenn nicht in jenen lautlosen Tiefen seines Ichs.“

— sel. Pater Maria-Eugen Grialou OCD
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3. Begegnung

Gott zu begegnen bedeutet auch sich selbst zu begegnen. Danke für alles, was ER dir geschenkt hat, und schrecke vor der Erkenntnis deiner selbst nicht zurück. Es ist das Licht seiner barmherzigen Liebe, das die Finsternis in deinem Herzen aufdeckt. Hab‘ Mut Jesus, deinem Erlöser, mit aufrichtigem Herzen zu begegnen. ER liebt dich so wie du bist.

Was sagen die Heiligen dazu?

„Wenn Ihre Natur Anlass für den Kampf bietet, ja ein Schlachtfeld ist, so werden Sie nicht mutlos, werden Sie nicht traurig! Ich würde gerne sagen: Lieben Sie Ihre Erbärmlichkeit, denn an ihr übt Gott sein Erbarmen.“

— hl. Elisabeth von der Dreifaltigkeit

„Meiner Meinung nach ist inneres Beten nichts anderes als Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt.“

— hl. Teresa von Avila - Das Buch meines Lebens 8,5

„Wenn ich seine Liebe, die er zu mir hatte, betrachtete, fasste ich wieder Mut, denn das Vertrauen auf seine Barmherzigkeit habe ich nie verloren, das auf mich aber oft.“

— hl. Teresa von Avila - Das Buch meines Lebens 9,7
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4. Betrachten

Um dich auf IHN hin sammeln zu können, nimm ein Bild, einen Text aus der Heiligen Schrift oder den Rosenkranz und stelle dir Jesus vor. Blicke IHN an und kehre durch einen Glaubensakt immer wieder zu IHM zurück.

Was sagen die Heiligen dazu?

„In all diesen Jahren wagte ich nie, ohne ein Buch mit dem Beten zu beginnen, außer gleich nach der Kommunion. Denn meine Seele fürchtete sich so sehr, ohne es zu beten, wie wenn sie mit einer großen Schar kämpfen müsste. Mit diesem Hilfsmittel aber, das wie ein Begleiter oder ein Schutzschild war, mit dem sie die Anstürme der vielen Gedanken auffangen konnte, fühlte sie sich getröstet.“

— hl. Teresa von Avila – Das Buch meines Lebens 4,9

„Richte deine Augen allein auf IHN, denn in IHM habe ich dir alles gesagt und geoffenbart, und du wirst mehr finden als du erbittest und ersehnst.“

— hl. Johannes vom Kreuz - Aufstieg zum Berge Karmel, 2. Buch 22,5

„Ich hatte folgende Art zu beten: Da ich mit dem Verstand nicht diskursiv nachdenken konnte, versuchte ich mir Christus in meinem Innern vorzustellen.“

— hl. Teresa von Avila - Buch meines Lebens 9,4

„Wenn ihr froh seid, betrachtet ihn, den Auferstandenen, denn allein die Vorstellung, wie ER aus dem Grabe erstand, wird euch froh machen... Wenn ihr in Nöten oder traurig seid, betrachtet Ihn auf dem Weg zum Ölgarten: Welch großes Leid trug ER in seiner Seele!“

— hl. Teresa von Avila - Weg der Vollkommenheit 26,4.5

„Es ist nicht nötig, in den Himmel hinaufzusteigen oder weiter wegzugehen als nur zu uns selbst, um den Herrn im tiefsten Innern unserer Seele zu betrachten.“

— hl. Teresa von Avila - Das Buch meines Lebens 40,6

„Mich hingegen halte ich für ein schwaches Vögelchen, das nur mit einem leichten Flaum bedeckt ist. Ich bin kein Adler, ich habe lediglich seine Augen und sein Herz. Denn trotz meiner äußersten Kleinheit wage ich es, den Blick auf die göttliche Sonne zu richten, die Sonne der Liebe, und mein Herz entdeckt in sich alles Streben eines Adlers ... Der kleine Vogel möchte auf diese strahlende Sonne zufliegen, auf die seine Augen wie gebannt schauen. Er sieht wie die Adler, seine Brüder, aufsteigen zum göttlichen Glutofen der heiligen Dreifaltigkeit und er möchte es wie sie machen ... Aber ach, alles, was er tun kann, ist seine kleinen Flügel ein wenig anzuheben. Emporzufliegen aber steht nicht in seiner kleinen Macht! Was soll nun aus ihm werden? Soll er vor Kummer sterben, weil er so hilflos ist? ... Oh nein, der kleine Vogel wird sich deswegen nicht einmal grämen. Mit kühner Ergebung in den Willen Gottes will er weiter unverwandt den Blick auf seine göttliche Sonne richten.“

— Hl. Therese von Lisieux
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5. Hören

Öffne die Ohren deines Herzens für Sein Wort. ER spricht zu dir durch die Heilige Schrift, durch die Lehre der Kirche, durch deinen Alltag, durch alles, was dich bewegt, und im Schweigen. Das Hören mit dem Herzen befähigt uns zur Hingabe. Es gibt uns die Kraft, die kleinen Dinge mit immer mehr Liebe zu tun.

Jesus heilte einen Tauben – durch das Hören auf Gottes Wort heilt allmählich die Taubheit unseres Herzens.

Johannes lehnt an der Brust Jesu und hört Seinen Herzschlag – er lauscht dem göttlichen Wort.

Was sagen die Heiligen dazu?

„Ein einziges WORT hat der Vater gesprochen, und das war sein Sohn, und dieses WORT spricht er immer wieder in ewigem Schweigen, und im Schweigen muss es von der Seele gehört werden.“

— hl. Johannes vom Kreuz - Worte von Licht und Liebe Nr. 99

„Ich richtete meinen Eifer vor allem darauf, Gott zu lieben, und indem ich IHN liebte, erkannte ich dabei auch, dass meine Liebe sich nicht allein in Worten zeigen dürfe, denn „nicht diejenigen, die sagen: Herr, Herr! werden in das Himmelreich eingehen, sondern diejenigen, die den Willen Gottes tun".“

— hl. Therese von Lisieux

„Ich möchte weder Freude noch Ruhe, noch sonst irgendein Gut, ich möchte nur seinen Willen erfüllen. Denn die Einung mit Gottes Willen ... ist die Gotteinung, nach der ich mich mein Leben lang gesehnt habe; um sie bitte ich den Herrn immer wieder, denn sie ist die eindeutigste und sicherste.“

— vgl. hl. Teresa von Avila - Wohnungen der inneren Burg – 5. Wohnung 3,5
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6. Vertrauen

Übe dich darin, dich IHM zu überlassen, loszulassen und dich lieben zu lassen.

ER, der in euch ist, ist größer als jener, der in der Welt ist (1 Joh 4,4).

Was sagen die Heiligen dazu?

„Jemand, der mit dem inneren Beten begonnen hat, soll es ja nicht mehr aufgeben, mag er noch so viel Schlechtes tun, denn es ist das Heilmittel, durch das er sich wieder bessern kann, während ohne es alles sehr viel schwieriger wird.“

— vgl. hl. Teresa von Avila - Das Buch meines Lebens 8,5

„Der richtige Weg ist der des einfachen, liebenden Vertrauens.“

— hl. Therese von Lisieux

„Je schwächer man ist, ohne Wünsche, ohne Tugenden, umso eher ist man geeignet für das Wirken dieser verzehrenden und umwandelnden Liebe.“

— hl. Therese von Lisieux

„Wer Gott hat, dem fehlt nichts. Allein Gott genügt!“

— hl. Teresa von Avila
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7. Treue

Gebet ist Beziehung, die uns umgestaltet bis zur Vereinigung mit Gott. Dies erfordert Treue und Ausdauer.

• Halte täglich deine Gebetszeit

• Gewöhne dich an Stille

• Habe Mut zur Selbsterkenntnis

• Lebe aus den Quellen der Sakramente

• Sei bereit dich hinzugeben

• Halte in allem Ausschau nach Gott

• Erinnere dich in deinem Alltag immer wieder an die Gegenwart Gottes in deinem Herzen

• Übe dich in der Dankbarkeit, denn sie schenkt große Freude.

Was sagen die Heiligen dazu?

„Nie gab ich meine Entschlossenheit auf, wieder zum inneren Beten zurückzukehren.“

— vgl. hl. Teresa von Avila - Das Buch meines Lebens 19,11

„Wir müssen während unserer Arbeit und unserer sonstigen Tätigkeit, ... ab und zu, so oft wir können, einen kleinen Augenblick innehalten, um uns im Grunde unseres Herzens Gott zuzuwenden, uns Seiner - ganz geheim, wie im Vorübergehen - zu vergewissern.“

— Br. Lorenz von der Auferstehung OCD

„Da Gott unserem Willen keine Gewalt antut, nimmt ER nur, was wir IHM geben; aber ER schenkt sich uns erst ganz, wenn wir uns IHM ganz schenken.“

— hl. Teresa von Avila - Weg der Vollkommenheit 28,12

„Caminamos! – Auf, lasst uns gehen!“

— Hl. Teresa von Avila

„Wir müssen den einmal eingeschlagenen Weg entschlossen weitergehen.“

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